Foto: Caroline Schreer

#dashassedavon // Gas geben

„Die linke Spur ist frei für alle!“ Konstantinos Sintoris hat sie genutzt und so manchen überholt. Nicht etwa mit einer Mercedes S-Klasse. Denn auch wenn der gebürtige Grieche als einer von zwei Geschäftsführern des Wuppertaler Autohauses Schönauen seinen Beruf liebt und lebt – die Worte sind bildlich gemeint. Konstantinos Sintoris hat beruflich „immer Gas gegeben“ und ist vom Auszubildenden zum Geschäftspartner seines Chefs Alfons Schönauen aufgestiegen. Mit wenig PS unter dem Sitz fuhr Sintoris als Kind auf dem Bauernhof der Eltern im heimischen Kerasonas Preveza einen Traktor. Irgendwann ein Auto zu besitzen, das war sein Traum. Die Familie besaß keins. „Wir erzeugten Produkte aus Schafs- und Ziegenmilch. Ich hatte Spaß daran.“ Die Eltern indes wollten ihren Kindern das harte Leben auf dem Land ersparen und wanderten nach Deutschland aus.

Für den damals 13-Jährigen ein Schock: „Ich war in einer fremden Umgebung, konnte die Sprache nicht, hatte keine Freunde. Bei Schwierigkeiten mit den Hausaufgaben konnte ich meine Eltern nicht fragen.“ In den Osterferien 1991 macht er ein Praktikum im Autohaus Schönauen – der Grundstein für seine berufliche Laufbahn. „Ölwechsel, Autos saugen, waschen. Alles, was ich ungelernt durfte, machte ich. Ich war sehr wissbegierig und engagiert.“ Alfons Schönauen sieht das, hält Sintoris nach seinem Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz frei, als dieser noch unvermittelt seinen Wehrdienst in Griechenland absolvieren muss. Nach der Lehre zum Kfz-Mechaniker arbeitet Sintoris als Geselle in der Werkstatt, nach bereits anderthalb Jahren beginnt er mit der Meisterausbildung. An drei Abenden und samstags ist er in der Meisterschule, tagsüber arbeitet er im Betrieb. Viele Tage enden erst um neun, zehn Uhr abends, Urlaub bedeutet lernen: „Man kriegt einen anderen Blick auf den Betrieb.“

Ein Jahr später, nach bestandener Meisterprüfung, wechselt er aus der Werkstatt in den Kundendienst. „Die Herausforderung ist es, die Balance zu finden, im Sinne des Unternehmens und der Kunden zu agieren.“ Herausforderungen scheint Sintoris zu mögen: Als hätte er nicht genug zu tun, übernimmt er im Jahr 2000 gemeinsam mit einem Freund ein Eiscafé, arbeitet im Sommer bis ein Uhr nachts. Durch die Ladentür kommt eines Tages seine heutige Ehefrau, ebenfalls griechischer Abstammung. Der Freund steigt aus dem Geschäft aus, Ehefrau Athina führt das Café weiter, es läuft gut. Mit der Geburt der Tochter verschieben sich aber die Prioritäten, das Paar verkauft das Café und kauft ein Eigenheim: „Ich bin glücklich, habe ein warmes Zuhause. Das gibt mir Energie.“ Und den Mut, im Jahr 2008 Alfons Schönauen zu fragen, ob er ihm Anteile verkauft. „Er wollte mich auch fragen, aber ich war schneller“, lacht Konstantinos Sintoris. Mit 10 Prozent steigt er ins Geschäft ein – und zum Verkaufsleiter und Geschäftsführer auf. Seit 2017 leitet er nun den Service, Juniorchef Benedikt Schönauen den Verkauf. „Mit uns dreien im Team ist der Betrieb bestens für die Zukunft gerüstet und die Fortführung des Unternehmens gesichert.“

 

Text: Csilla Letay

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